Zwanzig Jahre.
Seit 2006 sprechen die Maschinenbau-Fachbereiche der Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit einer gemeinsamen Stimme. Heute sind es fast 80 Fakultäten und Fachbereiche. Im FBTM tauschen sie Erfahrungen aus, stimmen Positionen ab und vertreten sie gegenüber Politik und Wirtschaft.
Der Maschinenbau hat sich in diesen zwanzig Jahren stark verändert. Software und Künstliche Intelligenz sind Teil jeder Maschine geworden, Energie- und Antriebstechnik werden neu gedacht, die Konkurrenz auf dem Weltmarkt ist schneller und günstiger als früher, und viele sehen dunkle Wolken aufziehen.
Unser Auftritt und unsere Positionierung muss dem Rechnung tragen. Wofür steht der Verein heute? Wir sind Bewegung. Ein runder Geburtstag ist ein guter Anlass, genau hinzusehen: Woher kommen wir? Wo stehen wir? Wohin wollen wir?
Dreiklang.
Der Fachbereichstag Maschinenbau will aus der Mitte des Dreiecks heraus, die Zukunftsfähigkeit der Maschinenbau-Lehre aktiv mitgestalten.
Das ist unsere Mission: die Maschinenbau-Fachbereiche der HAW vernetzen und vertreten, gemeinsame Qualitätsstandards entwickeln und dem praxisorientierten Maschinenbau gegenüber Wirtschaft, Industrie, Politik und Gesellschaft eine Stimme geben.
Zeichnet man diese drei Kräfte als gleich große Kreise, deren Mittelpunkte die Ecken eines gleichseitigen Dreiecks bilden, passiert etwas Besonderes. Dort, wo sich alle drei überschneiden, entsteht eine Form. Keiner bringt sie allein hervor, keiner darf fehlen, und keiner ist größer als die anderen.
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Applied Science
Die Maschinenbau-Fachbereiche der Hochschulen für angewandte Wissenschaften: Lehre, anwendungsnahe Forschung, Transfer. Hier entstehen die Ingenieurinnen und Ingenieure, die Mechanik und Code zugleich beherrschen.
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Politics & Society
Bildungs-, Forschungs- und Industriepolitik, und die Frage, welche Technik eine Gesellschaft haben will. Gebraucht werden Rahmenbedingungen, die länger halten als eine Legislaturperiode.
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Economy & Industry
Mittelstand und Konzerne, Zulieferketten, neue Geschäftsmodelle. Die Unternehmen wissen zuerst, welche Qualifikationen morgen fehlen, und brauchen Hochschulen, die schnell darauf reagieren.
Keiner hat die ganze Lösung.
Erst zusammen ergibt sich ein klarer Kurs.
Wir zeigen nicht irgendein Symbol. Wir zeigen unsere DNA und gleichzeitig die des deutschen Maschinenbaus.
Unser neues Zeichen hat es in sich.
Die Form hat einen Namen.
Die Schnittmenge der drei Kreise ist ein Reuleaux-Dreieck: eine Figur aus drei Kreisbögen über einem gleichseitigen Dreieck, in jeder Richtung gleich breit.
Benannt ist sie nach Franz Reuleaux (1829–1905), Professor an der Berliner Gewerbeakademie, der späteren Technischen Hochschule. Er gilt als Vater der theoretischen Kinematik und hat die Getriebelehre als eigenständige Wissenschaft im Maschinenbau begründet.
Eines vorweg: Reuleaux und der FBTM haben nichts miteinander zu tun. Zwischen seinem Tod und unserer Gründung liegt ein Jahrhundert. Wir haben die Form nicht gesucht, wir haben sie gefunden, erst die Kreise, dann den Namen. Dass er so gut passt, ist ein Glücksfall.
Ein Anker mit Substanz. Kein beliebiges Symbol, sondern der Verweis auf einen Gründervater der Maschinenbau-Wissenschaft in Deutschland. Das gibt dem Dreieck eine Tiefe, die über „drei Ecken, drei Themen“ hinausgeht.
Dieselbe Idee. Hochschule, Gesellschaft und Industrie sind die drei Bögen des Reuleaux-Dreiecks. Wir mussten die Grundform nicht erfinden, sie lag schon da. Das Design folgt dem Selbstverständnis, nicht umgekehrt.
Zeit. Geist. Los.
Maschinenbau-Symbole veralten schnell. Die Dampfmaschine steht für das 19. Jahrhundert, das Zahnrad für die Sechzigerjahre, und der Greifarm von heute wird mit Soft Robotics und humanoiden Systemen bald genauso nach Momentaufnahme aussehen. Außerdem zeigt jedes dieser Bilder nur einen Ausschnitt. Thermodynamik, Konstruktion, Werkstoffe und Energietechnik gehören genauso zum Fach.
Das Reuleaux-Dreieck ist anders. Es ist eine geometrische Konstante, vor 150 Jahren relevant und es bleibt es, weil es an keine Technologiegeneration gebunden ist. Es passt zu Elektromobilität, Robotik und additiver Fertigung und zu allem, was in zwanzig Jahren kommt, ohne dass unser Auftritt dann nach „Industrie 4.0“ von gestern aussieht.
Das neue Zeichen des FBTM ist ein Reuleaux-Dreieck, leicht gedreht, mit einer runden Öffnung in der Mitte: bewegend, offen, präzise – verbindend.
Gestern
Legitimation, nicht Nostalgie. Reuleaux hat die Kinematik als eigene Disziplin begründet. Das Zeichen trägt die Herkunft des deutschen Maschinenbaus in sich.
Heute
Substanz statt Dekoration. Die Form hat reale technische Anwendungen, vom Wankelmotor bis zum Bohrwerkzeug, und entsteht exakt aus unseren drei Kreisen. Die Aussage wird gezeigt, nicht behauptet.
Morgen
Offen statt festgelegt. Kein Logo für die nächste Konferenz, sondern für die nächsten zwanzig, dreißig Jahre: offen für jede Technik, die noch kommt.
Wer war Franz Reuleaux?
Foto: J. C. Schaarwächter, Berlin
Franz Reuleaux verstand Innovation als Zusammenspiel von Wissenschaft, Anwendung und gesellschaftlichem Nutzen. Das war im 19. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich.
Er wurde am 30. September 1829 in Eschweiler bei Aachen geboren und starb am 20. August 1905 in Berlin. Er lernte in Maschinenfabriken, studierte Maschinenbau in Karlsruhe bei Ferdinand Redtenbacher, dann Philosophie und Mathematik in Berlin und Bonn. Schon als Student schrieb er mit einem Kollegen eine Konstruktionslehre für den Maschinenbau. Mitte der 1850er-Jahre lehrte er in Zürich, ab 1864 an der Berliner Gewerbeakademie, die er von 1868 bis 1879 leitete. Aus ihr wurde die Technische Hochschule Charlottenburg, die heutige TU Berlin.
Was er geleistet hat
- Er entwickelte die Kinematik systematisch weiter und schuf eine bis heute einflussreiche Ordnung für Mechanismen und Getriebe.
- Er ließ mehr als 800 kinematische Lehrmodelle bauen. Viele davon stehen heute in technischen Museen.
- Er beriet Industrie und Regierung und berichtete von den Weltausstellungen zwischen 1867 und 1881.
- Er prägte deutsche Fachbegriffe wie Zwanglauf, Sperrwerk und Verbund.
Sein Leitgedanke: Wissenschaftliche Erkenntnis nützt der Gesellschaft erst, wenn sie in der Praxis ankommt. Ingenieurwissenschaft war für ihn kein Selbstzweck, sondern die Verbindung von Forschung, Lehre und industrieller Anwendung. Ein Gedanke, der heute selbstverständlich klingt und den wir teilen.
Was wir mitnehmen
- Brücken bauen. Reuleaux arbeitete eng mit der Industrie und war überzeugt, dass Hochschulen Neues für Wirtschaft und Gesellschaft hervorbringen sollen.
- Zusammen denken. Er förderte den Austausch zwischen Forschung, Unternehmen und Politik, lange bevor man es Transfer oder Innovationsökosystem nannte.
- Anspruch halten. Seine Kritik an der deutschen Industrie war kein Verriss, sondern ein Aufruf, durch Forschung, Ausbildung und Innovation wettbewerbsfähig zu werden.
- Über Fächer hinweg arbeiten. Er verband Maschinenbau mit Mathematik, Physik und Gestaltung.
An der TU Berlin erinnert ein Denkmal von 1912 an ihn. Die Inschrift: „Dem Forscher und Lehrer. Ergründer des Zusammenhanges der Technik mit Wissenschaft und Leben.“
Die Geburt der Kinematik.
Reuleaux wollte das Entwerfen von Maschinen vom Zufall befreien und lehrbar machen. Sein Werkzeug war die Kinematik, die Lehre von der Bewegung der Körper. Er definierte Maschine und Mechanismus klar, bestimmte die elementaren Bausteine, die kinematischen Paare, setzte sie zu Ketten zusammen und gab ihnen eine eigene Zeichensprache. Dazu kam ein System, die bekannten Mechanismen zu ordnen.
Ganz aufgegangen ist seine Hoffnung nicht: Erfinden lässt sich nicht auf Knopfdruck herleiten, und die Dynamik blieb weitgehend außen vor. Aber seine Grundbegriffe haben Bestand. Das Fundament, das er gelegt hat, trägt bis heute.
Eine Form, die überall gleich breit ist.
In seinem Hauptwerk Theoretische Kinematik von 1875 beschreibt Reuleaux eine Figur, die heute seinen Namen trägt. Man nimmt ein gleichseitiges Dreieck und schlägt um jede Ecke einen Kreisbogen durch die beiden anderen. Erfunden hat er sie nicht, schon Leonardo da Vinci und Leonhard Euler kannten sie. Aber Reuleaux hat gezeigt, was sie kann.
Das Reuleaux-Dreieck ist in jeder Richtung gleich breit. Zwischen zwei parallelen Linien rollt es wie ein Kreis, ohne einer zu sein. Deshalb steckt es im Kreiskolben des Wankelmotors, in Nockentrieben und in Bohrern, die fast quadratische Löcher fräsen.
Es ist keine Dekoration, sondern Maschinenbau: ein Stück Geometrie, das seit 150 Jahren funktioniert.
Um drei Ecken gedacht.
Das Dreieck ist die stabilste Grundform des Bauens. Es verformt sich nicht, solange seine Seiten halten, und verteilt Kräfte gleichmäßig. Wem schon einmal ein Regal zusammengeklappt ist, verzichtet auf diagonale Streben nie wieder. Fachwerke, Brücken, Dächer, Hochspannungsmasten: Wo etwas stehen soll, steckt ein Dreieck drin. Das Dreirad weiß es, das Stativ auch.
Ein Verband braucht Streben ebenso. Unsere drei Ecken heißen Hochschule, Gesellschaft und Wirtschaft.
Wankel-mütig.
Wer ein Reuleaux-Dreieck sieht, denkt oft an den Wankelmotor. Zu Recht, die Form steckt darin. Aber sie war lange vorher da: Felix Wankel ließ sie 1957 im Motor laufen, mehr als achtzig Jahre nach Reuleaux. Der Kreiskolbenmotor ist nur eine von vielen Anwendungen, neben Bohrern für fast quadratische Löcher, Nockentrieben und Münzen, die auf gleiche Breite setzen.
Und der Wankelmotor selbst? Eine gefeierte, unkonventionelle deutsche Ingenieurleistung, bis heute ein Lehrbuchbeispiel für elegante Lösungen. Wer bei unserem Zeichen an ihn denkt, denkt an Erfindergeist. Das nehmen wir als Kompliment.
Außerdem zeigt unser Zeichen keinen Motorquerschnitt. Es entsteht sichtbar aus drei Kreisen, einer Schnittmenge, einem Zusammenspiel.
2006—2026
Looking forward — knowing the roots.
Zwanzig Jahre sind kein Grund, stehen zu bleiben, sondern einer, neu Maß zu nehmen. Mit Blick zurück auf das, was uns trägt, mit klaren Worten zu dem, was fehlt, und mit Lust auf das, was kommt.
Vier Kugeln, eine Form.
Die Konstruktion des Reuleaux-Tetraeders aus vier Kugeln.
